Trauringe selber schmieden … Ein junges Paar schmiedet sein Glück

Es war mal wieder soweit … zwei verliebte Menschen wollen ihre Trauringe selber schmieden.
Nichts leichter als das 😉 Vor allem, weil die beiden schon gut vorgearbeitet hatten und die Verlobungsringe bereits in einem Kurs selber geschmiedet haben. Sie wussten also genau, was sie wollten.

In knapp 6 Stunden sind tolle, klassische Trauringe aus 750er Gelbgold entstanden.

Hier kommt ein kleiner Einblick in den Ablauf

Zuerst habe ich das Ausgangsmaterial – in diesem Fall war es sog. Gussgold – geschmolzen. Da diese Arbeit nicht so einfach ist, wenn man es das erste Mal macht, und es leicht zu Fehlern kommen kann, habe ich das übernommen.
Und wie das Leben so spielt – ich musste ein zweites Mal schmelzen.

Vom Ausgangsmaterial zu kleinen Stangen, die mit Ringen noch nicht viel gemeinsam haben bis hin zum Glühen

Mit einer Stange von gut 8 mm Durchmesser kann man jetzt nicht unbedingt etwas anfangen. Also musste erst mal gewalzt werden. Zuerst viereckig und dann flach – das haben wir zumindest für den Damenring gemacht. Für den Herrenring habe ich das Material noch mal umgeschmolzen – das wollte nicht so wie wir… Dafür mussten wir dann den Strang nur noch flach walzen. Das spart Kraft, die wir dann später am Werkbrett benötigen.

Die Ringe werden gebogen

Ok – jetzt hatten wir also einen breiten und einen schmalen Blechstreifen, aber noch keine Ringe. An die Zange, fertig, los – so ungefähr kann man sich das vorstellen… Die Blechstreifen wurden rund gebogen, die zulangen Enden abgesägt und schon waren die Ringe fast fertig. Naja, fast fertig… Die beiden Enden mussten exakt aufeinander gestellt werden. Zur Not muss man noch mal durchsägen.

Dann durfte gelötet werden. Das haben die beiden wirklich sehr gut gemeistert. Denn hier gibt es oft große Schwierigkeiten. Man muss auf so Vieles gleichzeitig gucken. Deswegen stehe ich auch dicht daneben und rufe „Fertig!“, wenn das Lot geflossen ist. Bisher ist alles gut gegangen …

 

Fast fertig und doch noch so viel Arbeit …

Die Ringe werden gelötet und anschließend gefeilt

Jetzt musste die Lotnaht versäubert werden, das heißt, das überstehende Lot musste abgefeilt werden. Es durfte aber nicht zuviel weggefeilt werden, sonst wäre der Ring an der Stelle dünner und das sähe nicht schön aus.

So, jetzt haben wir also zwei gelötete und innen gefeilte Mehr-oder-Weniger-Ringe 😉 Die waren nicht wirklich rund. Das ist zu dem Zeitpunkt noch normal… Aber so kann das ja nicht bleiben. Also hieß es „Ran an den Hammer“. Mit Hilfe des Ringriegels und des Gummihammers wurden die Ringe rund gerichtet. Sobald die Ringe rund sind, kann man die Größe exakt messen. Beim Rund biegen ist das mehr eine grobe Schätzung.
Der Herrenring war perfekt – knapp zwei Nummern zu klein, aber das brauchen wir auch. Man muss bedenken, dass die Ringe ein Hammerschlag-Muster bekommen sollen. Dabei wird das Material gestreckt und die Ringe sind nachher zu groß. Das wollen wir ja auch nicht.
Der Damenring war allerdings nach dem ersten Löten ein paar Nummern zu groß. Es gibt Schlimmeres… Man sägt einfach ein passendes Stück raus und lötet den Ring wieder zu. Gesagt – getan.

In der Zwischenzeit konnte beim Herrenring ein Streifen abgesägt werden. Der Blechstreifen ist beim Walzen mehr in die Breite gegangen als gewünscht. Das sind dann die Nettigkeiten des Metalls  😉
Das ist eine schier endlose Arbeit – zumindest kommt es einem so vor. Bevor die Motivation flöten gegangen wäre, habe ich kurz Hand angelegt und das Stück abgesägt.

Normalerweise werden die Seitenflächen der Ringe jetzt plan gefeilt und geschmirgelt. Das war bei diesem Paar aber nur bedingt gewünscht. Es wurden nur die Flächen plan gefeilt, und dann die Innen- und Außenkanten gebrochen. So gab es keine Kante an den Ringen, die beim Tragen stören würde.
Innen und außen wurden die Ringe natürlich auch noch mal gefeilt und geschmirgelt. Die Schmiedestruktur, die danach gemacht werden muss, wird schöner, umso sorgfältiger die Ringe vorbereitet sind.

 

Jetzt wird es laut …

Zur Sicherheit kommen Ohrstöpsel zum Einsatz. Diesmal war das Paar besser vorbereitet als ich … Sie haben ihren eigenen Gehörtschutz mitgebracht. Das war eine Premiere =) Die Schläge von Metall auf Metall schreien in den Ohren – das kann wirklich wehtun. Von den Schäden, die im Ohr passieren, will ich gar nicht anfangen. Ein Gehörschutz ist wirklich sinnvoll.

Nach mehreren Kursen habe ich natürlich auch etwas gelernt. Wenn ich zeige, wie man den Ringriegel, den Ring und den Hammer hält und dann auch noch alles zusammen benutzt, ohne dass man sich auf die Finger haut, mache ich das jetzt nur noch an einem Probestück… Jeder schlägt eben anders.
Der Damenring war relativ schnell fertig, beim Herrenring mussten wir drei Runden schmieden, damit die richtige Größe erreicht war. Aber das ist ja nichts Schlimmes – gibt höchstens blaue Flecken vom Ringriegel.
Sonstige Verletzung gab es keine =)Die Ringe werden geschmiedet

Während des Schmiedens mussten die Ringe immer wieder anprobiert werden. Sie sollen ja auch passen. Normalerweise ist es kein Problem, einen Ring ohne Stein größer zu dehnen oder kleiner zu stauchen, aber bei Ringen mit einer Lotnaht kann es gerade beim Dehnen immer wieder zum Reißen kommen. Das ist einfach nur ärgerlich und sehr nervig. Dann schmieden wir den Ring doch lieber etwas mehr.

Auf dem Ringriegel sind immer ein paar Macken – die drücken sich natürlich beim Schmieden in das weichere Gold. Deswegen wurden die Innenflächen noch mal geschmirgelt, damit alles glatt und gut vorbereitet für das Polieren ist.
Die Außenkanten haben sich durch die Hammerschläge natürlich auch etwas verformt. Das ist allerdings gewünscht gewesen und sollte auch so bleiben.

 

Es muss erst dreckig werden, um dann zu glänzen …

Das VorpolierenDer letzte Schritt … Das Polieren.
Auch hier muss wieder ein Schritt nach dem Anderen erfolgen. Wir polieren also nicht direkt, sondern „trippeln“ die Ringe erst. Dazu nutzen wir eine sehr feine, fettige Schleifpaste, mit der die letzten Schmirgelspuren beseitigt werden.

Allerdings machen wir das bei diesen Ringen nur innen. Das Trippeln trägt etwas Material ab – das kommt beim Hammerschlag nicht so gut. Die Erhebungen sind danach quasi weg … Das wollen wir nun wirklich nicht.
Nach einem Tauchgang im warmen Ultraschallbad sind die Reste der Trippel-Paste weg und es kann zum Polieren gehen.

Zuerst werden die Ringe innen poliert. Dazu nutzen wir eine Holzzange um die Ringe zu halten. Eins der Dinge, die ich von Physik verstehe, ist die Tatsache, dass Reibung Wärme erzeugt. Die Ringe werden so richtig warm … man könnte auch heiß sagen 😉 Ich kann viel Wärme an den Fingern ertragen, aber das ist selbst mir zu doll.
Die Außenfläche und die Kanten werden dann mit dem Leinenrad und Polierpaste poliert. Auch da nutzen wir einen kleinen Die Ringe werden poliertHitzeschutz in Form von Lederfingerlingen.

Die Poliermaschine ist mit Vorsicht zu genießen. Sie ist manchmal etwas zickig und zieht die Polierpaste oder die Ringe einfach so ein. Während des Erklärens und Polierens komme ich mir manchmal vor wie eine Schallplatte mit Sprung: „Gut festhalten!“ ist mein meist gesagter Satz in der Zeit.
Leider kommt es doch ab und an vor, dass die Maschine ihren Willen durchsetzt. Diesmal hat sie die Trippelpaste geklaut und die Kursteilnehmerin hat sich den Finger etwas angeschlagen – tat nur weh, sonst ist wohl nichts passiert.
Den Herrenring habe ich dann fertig poliert.

Auch nach dem Polieren durften die Ringe noch mal im Ultraschall tauchen gehen.

Und damit waren die Ringe jetzt auch ganz fertig! Nur noch wiegen und zum Fotoshooting 😉
Und dann ab ins Trauring-Etui.

 

Italian Trulli

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