Unterschied zwischen Juwelier und Goldschmied?

Unterschied zwischen Juwelier und Goldschmied?

Juwelier & Goldschmied … 2 verschiedene Welten

Brigitta von Gruenberg - mit Fliege und Manschettenknoepfen

Brigitta von Gruenberg – mit Fliege und Manschettenknoepfen

Ich habe vor kurzem auf meiner Facebook-Seite gefragt, welche Fragen es in Bezug auf den Beruf des Goldschmieds bzw. auf die Arbeit des Goldschmieds gibt.
Eine der Fragen war, wo genau der Unterschied zwischen einem Juwelier und einem Goldschmied liegt.

Die Frage lässt sich leicht beantworten …

Handwerk trifft auf Verkäufer

Ok – das ist vielleicht etwas sehr wenig als Antwort. Ich versuche im Folgenden die Unterschiede aufzuzeigen. Bitte nicht vergessen, dass ich voreingenommen bin 😉

Der Juwelier

Brigitta von Gruenberg - mit Dobermann

Brigitta von Gruenberg – mit Sicherheitsbeauftragten

Der Juwelier ist der Besitzer bzw. Inhaber eines Schmuckgeschäftes. Es ist ein klassischer Ausbildungsberuf, wobei es zwei Arten der Ausbildung gibt.
Es gibt die 2-jährige Ausbildung zum Fachverkäufer/in für Schmuck, Uhren, Gold- und Silberwaren und es gibt die 3-jährige Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann, bzw. zur Einzelhandelskauffrau für Schmuck, Uhren und Silberwaren.

Nach der Ausbildung kann man nur eins – Verkaufen. Manchmal lernen die Azubis auch das Perlenketten knoten … das kommt ein bißchen auf den Ausbildungsbetrieb an.
Natürlich gibt es auch Goldschmiede, die Einzelhandelskaufmenschen ausbilden – die können dann vielleicht noch Karabiner oder Federringe wechseln.
Ab und an haben Juweliergeschäfte auch angestellte Goldschmiede oder Uhrmacher dabei, die sind dann für die Reparaturen verantwortlich.
Wenn es das nicht gibt, wird alles an Reparaturen, Umarbeitungen und ggf. auch Neuanfertigungen außer Haus gegeben.

Bei den großen Juwelierketten wird z.B auch vorgeschrieben, was die Angestellten an Kleidung tragen dürfen und was nicht. Oft ist es eine Kombination aus Schwarz-Weiß (können Nari und ich auch …)

Kommen wir nun in meine Welt … der Goldschmied

Arbeit am Poliermotor

Arbeit am Poliermotor

Der Goldschmied lernt das Handwerk 3,5 Jahre lang … eine harte, schlecht bezahlte Zeit, die aber viel Spass macht und man meistens dreckige Hände hat! Wenn man es möchte jedenfalls.

Der Goldschmied
* fertigt neuen Schmuck an – nach seinen Entwürfen oder auch nach den Wünschen der Kunden.
* arbeitet Schmuck um – das heißt, Schmuck, der nicht mehr gefällt wird in ein neues Gewand gekleidet
* repariert Schmuck – meistens gerissene Ketten löten oder Ringe vergrößern / verkleinern
* kann Perlenketten knoten

Brigitta von Gruenberg - am Werkbrett

Brigitta von Gruenberg – am Werkbrett

Aber der Goldschmied kann auch Schmuck verkaufen. Nicht immer haben wir Goldschmiede nur „unseren“ Schmuck. Wir kaufen auch Schmuck dazu. Wir sind also auch so etwas wie ein Juwelier – sollte man aber nicht unbedingt sagen … Das könnte Goldschmied in den falschen Hals bekommen 😉

Ich selbst arbeite in meiner Werkstatt auch für Juweliere – das heißt, ich repariere im Auftrag den Schmuck der Kunden.

Dadurch, dass ich selber Schmuck anfertigen kann, kann ich meine Kunden natürlich auch anders beraten.
Oftmals passt ein Schmuckstück nicht 100%ig zum Träger. Aber wie heißt es so schön:

Was nicht passt, wird passend gemacht!

Und genau das liebe ich so sehr an meinem Beruf.

Etwas für mich sehr schönes ist es, wenn ich Paare in meiner Werkstatt habe, die einen Trauring-Kurs besuchen.

Laien lernen meinen Beruf kennen und schmieden ihr Glück gemeinsam!
Brigitta von Gruenberg - mit Lupenbrille

Brigitta von Gruenberg – mit Lupenbrille

Spätestens nach 10 Minuten sind die Augen riesengroß und die Überraschung, dass der Ring nicht einfach schon fertig poliert auf dem Werkbrett liegt ist groß.

Ich hoffe, ich konnte den Unterschied zwischen Goldschmied und Juwelier gut erklären. Wenn Fragen offen sind – einfach Fragen (per Kommentar, per Mail oder auch als Postkarte).
Wenn es andere Fragen zu meinem Beruf gibt – her damit! Ich beantworte sie sehr gerne.

 

Schmuck trifft Kunst …

Schmuck trifft Kunst …

Kunst und Schmuck … 2 Welten, die doch zusammen passen

Vor 2 Jahren habe ich die Goldschmiede auf der Hauptstraße in Dannstadt neu eröffnet. Mir war schnell klar, dass kahle Wände nicht schön sind und nur der Meisterbrief als Wandschmuck nicht ausreicht.

Von Anfang an habe ich meine Wände Künstlern aus der Umgebung zu Verfügung gestellt.
Die Vorteile liegen auf der Hand – ich habe Bilder an den Wänden und der Künstler stellt seine Bilder bzw. seine Kunst einen ganz anderen Publikum als sonst vor.

Über eine Businessgruppe für Frauen habe ich vor etwas mehr als einem Jahr Christine Keller kennengelernt. Schnell war klar, dass ich die Art ihrer Bilder mag. Was lag näher als einfach zu fragen, ob sie sich vorstellen könnte, in der Goldschmiede auszustellen.
Letzten Winter gab es bereits eine Ausstellung mit Christines Kunst – die dann über den Sommer durch Fotografien von Britta Schlier abgelöst wurden.

Für den Winter musste mehr Farbe her

So sehr ich Brittas Fotografien liebe, diese Fotografien waren für die Weihnachtszeit nicht das richtige – ich brauchte mehr Farbe, mehr Kraft und nicht so viel Ruhe. Da es Landschaftsfotografien waren, strahlen diese Bilder unweigerlich eine Ruhe und Entspannung aus. Unglaublich schön und stimmungsvoll laden sie zum Träumen ein… Ich habe selbst gemerkt, wie mich die Bilder öfter von der Arbeit „abgehalten“ haben, weil ich mich in ihnen verloren habe. Definitiv nicht das richtige für die anstehende Weihnachtszeit 😉

Also habe ich mich wieder mit Christine Keller abgesprochen, dass ich neue „Farbe“ an den Wänden brauche. Diesmal ist rot die dominierende Farbe. 4 recht große, sehr kraftvolle Bilder zieren seit einer Woche die Wände der Goldschmiede.

Schmuck trifft Kunst

Die Bilder treffen sicherlich nicht jedermanns Geschmack, aber das ist auch nicht schlimm. Wir sind nicht alle gleich, also gefällt uns auch nicht alles 😉
Ich jedenfalls freue mich jedes Mal, wenn ich die Bilder angucken kann. Sie geben mir Kraft und machen Mut.

Mehr Informationen zu der Künstlerin und ihrer Kunst gibt es hier.

 

 

Die Entstehung von Trauringen in einem etwas anderen Design

Die Entstehung von Trauringen in einem etwas anderen Design

Ein Paar Design-Trauringe entsteht …

Wenn Paare sich zu ihrer Hochzeit ein besonderes Design wünschen – zumindest was die Trau-Ringe angeht – sind sie bei mir genau richtig.
Ich liebe es, Trau-Ringe in einer anderen Art anzufertigen.

Diesmal hatten sich meine Kunden in meinem Online-Shop umgeguckt und sich in einen besonderen Ring verliebt – einen Treppenring aus Silber und Roségold.
Das ist definitv kein alltäglicher Ring 🙂

Aber ich liebe ja die Herausforderung

Das Pärchen ist extra aus Frankfurt zu mir in die Werkstatt gekommen, um sich beraten zu lassen. Immer wieder fiel der Blick auf den Treppenring, obwohl noch andere außergewöhnliche Ringe auf dem Tisch lagen…. Der Treppenring sollte es also sein.
Also ging es weiter zum Ringgrößen messen – ich muss ja wissen, was ich an Material brauche.

Nach ein paar Tagen hatte ich das Material beisammen und konnte loslegen …
Zuerst habe ich versucht, mit Strichen die Treppen anzuzeichen – mit mäßigem Erfolg 😉 Wenn es so nicht geht, geht es anders.

Einfach drauflos arbeiten.

Nach vielen, vielen Sägeschnitten konnte dann endlich die Feile genutzt werden. Mit viel Schweiß und auch einigen Blasen an meinen Fingern sind viele Treppen entstanden. Auch wenn die Stufen nicht genau so sind wie in dem Modell… Aber das macht ja das Individuelle aus.
Nach dem Feilen konnte das Roségold vorbereitet werden und aufgelötet werden. Das sieht immer etwas wüst aus – das wird aber noch schön 😉

Also, weiter im Ablauf … Löten, abbeizen (d.h. Oxide und Flußmittelreste entfernen), Überstände absägen und die Seiten abfeilen.
Die Oberflächen wurden natürlich auch noch geschmirgelt.

Puhhh – fast fertig…
Jetzt wurde noch die Innenkante gebrochen, damit die Ringe auch bequem am Finger sitzen. Gerade bei Trau-Ringen ist das ein Muss in meinen Augen!
Zum Schluss habe ich noch alles poliert und als besonderen Hingucker habe ich der Oberfläche ein schlagmattes FInish verpasst.

Zum Abholen und zu Anprobe kamen meine Kunden dann nochmal zu mir in die Goldschmiede… Wie immer war ich etwas aufgeregt – war gar nicht nötig. Das Paar war begeister!

So soll es sein 🙂

Hier kommt noch eine kleine Collage mit den Einzelschritten.

Treppen-Trau-Ringe entstehen

Aus „Alt“ wird „Neu“

Aus „Alt“ wird „Neu“

Wie aus viel „Alt“ zwei schöne „Neu“ wird …

Immer wieder kommt es vor, dass Kunden mit Ihrem alten Schmuck zu mir kommen und fragen, ob man damit noch was machen kann.
Ja – man kann =)

In diesem Fall wollte meine Kundin einen Ring und ein paar Ohrringe mit Peridot-Tropfen – passend zu einer Kette, die sie sich gekauft hat. Gesagt – getan!

Auf der Inhorgenta habe ich die passenden Peridot-Tropfen gekauft und dann konnte es losgehen.
Zuerst habe ich den Schmuck nach den Feingehalten sortiert – gebraucht wurde 585er Weißgold. Nach dem Sortieren habe ich den ganzen alten Schmuck eingeschmolzen und in eine Bleckform gegossen.
Danach ging es für die Ohrringe klassisch weiter – walzen, biegen, löten & polieren.

012Der Ring war etwas aufwendiger – zuerst wurde das Blech gewalzt, dann in Ringform gebogen und verlötet. Nach dem Rundrichten und dem „schick“ machen, ging es ans Schmieden.

Dazu wird der Ring auf dem sog. Ringstock gehalten und mit dem Hammer bearbeitet – immer mit viel Vorsicht.

030Der Hammer, der diesmal zum Einsatz kam, war an der Finne angeschliffen. Wenn der den Finger trifft, tut das nicht nur sehr weh, sondern verursacht auch sehr starke Verletzungen.

Durch die angeschliffene Finne bekommt der Ring eine sehr interessante Oberfläche mit vielen Kerben.

Nach dem schmieden wurde der Ring noch schnell auf die richtige Ringgröße gebracht und schon gind es mit der Fassung weiter. Diese wurde auf den Ring aufgelötet.

099Damit war der Ring auch fast fertig … aber nur fast.
Die Innenkanten des Rings waren noch scharfkantig – mir gefällt das nicht, bzw. ich finde das sehr unbequem zu tragen. Also werden diese gebrochen. Ich könnte dazu einen Schaber oder eine Feile nehmen – oder einen Zylinderfräser… Das Geräusch erinnert an Zahnarzt-Besuche 😉
Damit geht es aber schneller als mit der Feile … Nachteil ist allerdings, dass man das Metall dann auch im Gesicht hat.

 

Das Goldschmiedehandwerk hat nicht nur goldenen Boden.

 

146Weiter ging es dann mit dem schmirgeln der Innenseite. Erst wenn alle Macken entfernt sind und die Innenseite gleichmäßig ist, kann der Ring poliert werden.

Abschließend wurden die Peridots von einem Juwelenfasser fachgerecht gefasst.
Warum zum Fasser? Das ist ein eigenständiger Berufszweig. Ich selbst kann die ein oder andere Fassung auch fassen, aber es gibt immer wieder Herausforderungen. Eine Tropfenfassung und dazu noch ein Peridot, der schon kaputt geht, wenn man ihn böse anguckt (übertrieben gesehen) muss ich nicht fassen.
Das überlass ich lieber dem Fachmann.